11. ZSM Herbsttagung 2026

„Labore“ in den Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften. Epistemische Arrangements, methodologische Perspektiven, methodische Instrumente und empirische Analysen in Forschung, Entwicklung und Lehre

 

Gastausrichter: Prof. Dr. Olaf Dörner & Prof. Dr. Patrick Bettinger
Termin: 26. & 27.11.2026
Anmeldung: ab 01.06.2026

 

In den Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften ist in den letzten Jahren eine verstärkte Bezugnahme auf „Labore“ zu beobachten (vgl. Hofhues & Schiefner-Rohs, 2017; Rehfeldt et al., 2020). Neben etablierten naturwissenschaftlichen Bedeutungen entstehen vielfältige Formate wie Reallabore, Living Labs oder Lernlabore, die als Orte der Forschung, Entwicklung und Lehre gleichermaßen fungieren. Diese Entwicklungen kann auf eine Verschiebung wissenschaftlicher Praxis gedeutet werden, in der Laborarrangements nicht nur als technisch kontrollierte Umgebungen, sondern als komplexe soziale und pädagogische Konstellationen relevant werden. Insbesondere in Diskursen zu Reallaboren, Living Labs und Lernlaboren (vgl. Bergmann et al., 2021; Geibler et al., 2011; Rehfeldt et al., 2020; Deutscher Bundestag, 2018) wird das Labor als Ort kooperativer Wissensproduktion, experimenteller Praxis und gesellschaftlicher Intervention gefasst. Damit verschieben sich auch die Bedingungen der Erkenntnisgewinnung. Besonders wenn nicht nur im metaphorischen Sinne von „Laboren“ die Rede ist, kann gefragt werden inwiefern sich Forschung mit dieser Hinwendung zunehmend in Settings vollzieht, die zwischen Wissenschaft und Praxis, Beobachtung und Gestaltung sowie Analyse und Intervention angesiedelt sind. Auch lässt sich fragen, wie Vorstellungen von Kontrollier- und Steuerbarkeit in erziehungs- und sozialwissenschaftlichen Laborsettings reflektiert werden. Zusätzlich gewinnen digitale – gegenwärtig vor allem KI-basierte – Technologien in Laborarrangements an Bedeutung. Künstliche Intelligenz kann dabei sowohl als methodisches Instrument der Datenerhebung und -auswertung als auch als Bestandteil der untersuchten Praxis selbst verstanden werden. Damit stellen sich zusätzliche Fragen nach der Rolle algorithmischer Systeme in der Konstitution von Forschungsprozessen, nach Formen der Delegation und Unterstützung sowie nach epistemischer Verantwortung.

Die Tagung nimmt diese Entwicklungen zum Anlass, das Labor in den Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaftenals Gegenstand empirischer Analyse und methodologischer Reflexion zu diskutieren. Im Zentrum steht die Annahme, dass Labore nicht lediglich Orte der Datenerhebung sind, sondern – wie vielfach etwa durch Arbeiten in den Science and Technology Studies gezeigt wurde – spezifische epistemische Arrangements, in denen soziale Wirklichkeit unter bestimmten Bedingungen hervorgebracht, variiert und beobachtbar (gemacht) wird. Damit rücken zugleich Fragen nach den zugrunde liegenden methodologischen Perspektiven sowie nach den eingesetzten methodischen Instrumenten und letztlich auch den Bedingungen der Wissensproduktion in den Fokus.

Angesprochen sind Forschende, die empirisch zu Laborformaten arbeiten oder Labore als Bestandteil ihrer Forschung nutzen. Qualitative, interpretative und rekonstruktive Zugänge sind dabei ebenso eingeladen wie andere empirische Perspektiven, sofern sie sich mit den spezifischen Bedingungen, Potenzialen und Grenzen von Laboren in den Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften auseinandersetzen.

Mögliche Schwerpunkte

  • Inwiefern lassen sich Labore in den Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften als epistemische Arrangements empirischer Forschung, Entwicklung und Lehre theoretisch bestimmen?
  • Welche epistemologischen Überzeugungen und welche disziplinären Transformationen gehen mit der Etablierung von Labor-Formaten in den Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften einher?
  • Welche methodologischen Perspektiven eignen sich, um Laborarrangements zu analysieren – auch im Hinblick auf digitalisierte und KI-gestützte Forschungs- und Praxiszusammenhänge?
  • Welche Konzepte und Bedeutungsspektren werden mit dem Laborbegriff bzw. dessen Revival in den Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften adressiert? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten finden sich im Unterschied zur Verwendung des Labor-Begriffs in der Vergangenheit (bspw. Laborschulen)?
  • Welche methodischen Instrumente kommen in Laboren zum Einsatz, und wie verändern sich etablierte Verfahren empirischer Forschung unter Bedingungen von Variation, Wiederholbarkeit, Offenheit sowie durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz?
  • Welche Formen empirischer Analyse werden durch Laborarrangements ermöglicht, und welche Potenziale und Grenzen ergeben sich für die Untersuchung sozialer Phänomene im Spannungsfeld von Beobachtung, Gestaltung und Intervention?

Willkommen sind Beiträge, die sich den genannten oder verwandten Fragen widmen und dabei auch die eigene Forschungspraxis im Labor bzw. über Labore reflektieren.

Die Tagung versteht sich in der Tradition des Magdeburger Methodenworkshops als Fachtagung mit Forschungswerkstattcharakter. Insbesondere Studierende, Promovierende und Postdoktoranden/innen, die sich entsprechenden Fragestellungen widmen, werden eingeladen, im Rahmen der Tagung ihre Forschungsprojekte im Fokus auf das Thema der diesjährigen Tagung zu präsentieren und mit den Tagungsteilnehmenden zu diskutieren. Als Formate sind parallele Arbeitsgruppen geplant.

 

Ihre Beitragsvorschläge im Umfang von max. 3.000 Zeichen reichen Sie bitte unter bis zum 31. August ein. Die Auswahl der Beiträge erfolgt im Peer-Review-Verfahren, eine Rückmeldung erfolgt bis Ende September.

 

Die Tagung findet vom 26. bis 27. November 2026 an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg statt. Im Tagungsbeitrag von 30 Euro (ermäßigt 25 Euro) sind die Verpflegung mit alkoholfreien Getränken, Kaffee, Tee, Gebäck und Snacks während des Tagungszeitraums enthalten. Vortragende sind vom Tagungsbeitrag befreit, Posterbeitragende zahlen den ermäßigten Beitrag.

 

Weitere Informationen folgen in Kürze...

 

Den gesamten Call  gibt es hier zum herunterladen: DOWNLOAD

Letzte Änderung: 13.05.2026 -
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